Dies ist die Vorgeschichte


George (dscho:rsch)

Irgendwie erinnerte er mich an die späten 60er oder die beginnenden 70er Jahre, als die Zottelhaarfrisuren unter den Jugendlichen noch weit verbreitet waren. Damals, als bei der Bundeswehr mit einer solchen Mähne das Tragen eines Haarnetzes Pflicht war. Dabei sah er nicht einmal ungepflegt aus. Und die Frauen liebten sein weiches Wuselhaar. Insgesamt hatte er zudem für sein Alter eine ganz passable Statur.

Kaum sah er mich, verzogen sich seine Gesichtszüge zu einem breiten Grinsen, zumindest schien es mir so. Nicht dass ich was gegen Grinsen hätte. Aber George grinste häufig und -wie ich meine- ziemlich ungeniert und oft auch ohne einen mir ersichtlichen Grund. Er war wohl eine Frohnatur, ging auf alle Menschen beherzt zu, als gäbe es nichts Übles auf der Welt.

Dabei hat er schon viel einstecken müssen in seinem Leben: seinen Vater hat er kaum gekannt, seine Mutter trennte sich schon kurz nach der Geburt von ihm. Er wuchs in Pflegeheimen auf, wurde gehänselt und geneckt von Gleichaltrigen. Damals hatte er angefangen, sich durchzubeißen und nicht alles auf sich sitzen zu lassen. Er ertrug sein Schicksal und das Schicksal ertrug ihn.

"George" hatte man ihn im Pflegeheim genannt. Es klang nach etwas Königlichem, Höheren. Man hätte ihn vielleicht eher "Ludwig" oder "Louis" nennen sollen, in Anlehnung an den Sonnenkönig der Franzosen, der es verstand sich einzupudern, um die Körpergerüche zu überdecken. Denn ebenso wie dieser sträubte sich George vor dem Baden; Wasser in jeglicher Form mied er, so gut es ging,