GEORGE´s TAGESGESCHICHTEN
oder auch:
Toll, dieses Collect-System
George wischt sich die feuchten Augen. "Warum weinst Du ?" frage ich
George. "Ich ? Weinen ? Nein, mein Lieber, ich muss so herzhaft lachen,
jedesmal, wenn ich die Zeitung aufschlage." knurrt George in seiner Ecke.
"Kabarettisten haben es heutzutage immer schwerer, dass was als Meinungen,
Vorschläge oder gar Gesetzesregelungen aus dem Regierungslager
(und den übrigen Parteizentralen) sprudelt an Witz zu überbieten.
Das fängt mit dem sogenannten Gesundheitsmodernisierungsgesetz (und seinen
Umsetzungswehen) an, setzt sich im unendlichen MAUT-Desaster fort und hört
auf bei der eifrigen Suche des Finanzministers nach neuen Einnahmequellen.
Jüngst schlug ein Arzt im Deutschen Ärzteblatt (etwas überspitzt) vor, man möge doch vor jeder Arztpraxis eine Maut-Stelle einrichten. Jede Bundebürgerin/jeder Bundesbürger wird verpflichtet, sich einen Chip unter die Haut pflanzen zu lassen. Passiert die Patientin/der Patient die Maut-Stelle kann sofort die Praxisgebühr von ihrem/seinem Konto abgezogen werden. Dieses Feld läßt sich dann auch ausdehnen auf Mautstellen vor Apotheken, an denen dann gleich -ruck-zuck- die Rezeptgebühr elektronisch abgebucht wird. Krankenhäuser und Notfallambulanzen könnten ebenso mit einer solch wichtigen Kontrolleinrichtung versehen werden. Das wäre ein weiteres schönes Experimenierfeld für TollCollect.
Ungelöst ist noch das Problem des Hausbesuches durch den Arzt. Wenn sich
nicht findige Leute hierfür eine wirksame elektronische Form des Gebühreneinzugs
einfallen lassen sollten (die in der Diskussion stehende Gesundheitskarte im
Scheckkartenformat mit Chip und allem drum und dran hat ja nicht unbedingt jeder
schnell zur Hand !), wäre die Einrichtung "Hausbesuch" stark
gefährdet.
Jedenfalls hätte diese Form der elektronischen Abzocke sicherlich auch den Vorteil, dass auf Seiten der Gesetzesbrecher nicht mehr vermutet werden kann, dass bei Ärzten und Apothekern überzähliges Geld gehortet wird. Denn: Wo nichts rein kommt, ist auch nichts drin. Ein Überfall aauf vermeintlich fürstlich honorierte Dienstleister würde sich deshalb nicht mehr lohnen.
Wenn aber die Mautstelle sozusagen die Sicherheit der Praxis, des Krankenhauses oder der Apotheke in Bezug auf Überfälle und weitere Unannehmlichkeiten erhöht, könnte der Gesetzgeber wieder dazu verlockt werden, diesen (ideellen) Mehrwert abzuschöpfen. Dies dürfte nach rein marktwirtschaftlichen Regeln den ohnehin scharfen Wettbewerb unter den Gesundheitsdienstanbietern noch weiter beleben. Dann wäre ein weiteres Ziel des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes in Sichtweite, nämlich die Anzahl der Praxen, die Mannigfaltigkeit der Krankenhäuser und die Vielfalt der Apotheken auf ein (wie auch immer zu definierendes) "Bedarfsniveau" zu senken. Sousagen eine moderne Version des „Geiz ist geil !“-Spruches.
Vor Kurzem hat ein Angehöriger des Bündnis 90/DIE GRÜNEN vorgeschlagen, man solle doch mal prüfen, ob nicht -nach dem Londoner Vorbild - große Städte in Deutschland eine Maut-Gebühr erheben könnten (nicht für die Patientin/den Patienten, sondern für die Kraftfahrer, versteht sich).
Das schafft Ordnung in den Städten. Die "rush-hour" würde nicht mehr als solches erlebt. Das Unfallrisiko nähme weiter ab. In Bezug auf das Gesundheitssystem hätte dies auch den durchschlagenden Vorteil, dass Notfallambulanzen nicht mehr, dem Wunsch des Patienten folgend, ein vielleicht qualitativ geeigneteres Krankenhaus in der nahen Großstadt ansteuern (mit der Fälligkeit des Maut-Gebührensatzes an der Stadtgrenze), sondern in kleinem Umkreis nach adäquaten Behandlungslösungen suchen. Zwar ist der Kunde König, aber einerseits wird er zunehmend als lästig und fordernd empfunden (Krankenversicherung bezahlen und dann noch hieraus (Behandlungs)Forderungen erheben !) und zweitens gibt es schon lange keine Könige mehr, zumindest hierzulande. Letztlich könnte dies dazu beitragen, die Landflucht der klinischen Mediziner einzudämmen.
Ach ja, es gibt doch noch so viele Möglichkeiten, die steuerlich (oder
neudeutsch: gebühtrentechnisch) noch gar nicht so richtig ausgereizt sind."
George wedelt mit dem Schwanz, läßt seinen Kopf zwischen die Pfoten
gleiten und schließt sinnierend seine Augen.
Es geht aufwärts - mit Abgaben und Steuern Übersicht
George hat mal wieder zu lange Zeitung gelesen. Kaum gehe ich an ihm vorbei, schaut er mir mit einem breiten Grinsen nach, und denkt vor sich hin:
„Sag´mal, hat sich eigentlich jemand mal überlegt, dass wir inzwischen für alles und nichts Gebühren und Steuern bezahlen, nur nicht für die Luft. Da müsste sich doch etwas machen lassen ! Trinkwasser braucht jeder, Lebensmittel braucht jeder, Strom braucht jeder, und Luft ? Der Normalmensch (70 kg schwer) verbraucht hiervon immerhin 20 000 Liter pro Tag, Kinder die Hälfte. Zugegebenermaßen: die Qualität der Luft ist doch örtlich recht unterschiedlich. Aber ändert das die Verbrauchsmenge ?
Also hier ein Vorschlag, um Eichels Kassen etwas aufzubessern: ein
Gesetz zur Regelung der fortgesetzten Luft-Nutzung, das Bundes-Luft und
Frischluft Fortsetzungsbenutzungs Gesetz muss her, abgekürzt BLUFF-G, in
Verbindung mit AKNE (Atemluft Kosten Neuregelungs Erlass), ergänzt durch
SPASS (SofortProgramm Alternativer SedierungSysteme) und FREUDE (FörderRichtlinie
für den Effektiven Umsatz der Erfrischungsluft). Die letzteren Regelungen
können der Bundesbürgerin/dem Bundesbürger helfen, die durch
in Kraftsetzung von BLUFF und AKNE möglicherweise hervorgerufene individuelle
Stressantwort (schnelles ineffektives Atmen) kostengünstig zu dämpfen.
Sicherlich sind noch einzelne Stolpersteine zu beseitigen. Beispielsweise muß
die Frage gelöst werden, wie dieses Gesetz auch bei Durchreisenden im Kraftfahrzeug-,
Schienen-, Wasser- und Luftverkehr Anwendung finden kann. Vielleicht hilft hier
auch eine Erweiterung des in anderem Zusammenhang bereits vielfach gepriesenen,
anwendungsfreundlichen Maut-Systems.
Auch müßte man sich bei der Erhebung einer generellen Gebühr für den Luftver(ge)brauch Gedanken über Ausgleichsleistungen , Ausnahmen und Sozialverträglichkeit machen. Beispielsweise könnte die Gebühr entfallen, wenn der Bundesbürger/die Bundesbürgerin notariell beglaubigt nachweisen kann, dass er/sie 10 0000 Quadratmeter Mischwald zur Sauerstoffproduktion als Ausgleich bereitstellt. Die für dieses Waldgebiet notwendigen Gebühren könnten dann über eine andere Verordnung (z.B. LUNA, LuftNutzungs-Ausgleichs Verordnung) eingefordert werden, damit die Finanzminister des Bundes oder der Länder nicht gleich angesichts dieser Einsparmöglichkeiten für die Bundesbürgerin/den Bundesbürger in den Mond schauen. Die Sozialverträglichkeit könnte über eine Abgaben-Verordnung speziell für den Mittelstand und betuchte Personen (MURKS, Mittelstand und Reiche Kosten Solidaritäts Verordnung) dahingehend berücksichtigt werden, dass die o.g. Gebühr nach BLUFF-G gestaffelt nach gesamt-gesellschaftlichem Portmonnaie entrichtet werden muss. Zwar atmet nicht unbedingt jeder mehr, der auch größere Einnahmen hat, aber der Gleichklang mit anderen üblichen Gesetzgebungen wäre gewahrt. Toll, nicht wahr ?
Wenn ich so das Ganze weiter durchdenke,“ kommt George ins Nachdenken,“ müssten konsequenterweise auch Haustiere einbezogen werden. Dazu ist selbstverständlich eine weitere Verordnung von nöten: nennen wir sie mal „Staatliche Tarifumlage für Schoß-, Stadt- und Straßentiere- Verordnung“, kurz: STUSSS- VO.
Mit BLUFF, MURKS und STUSSS käme unter Berücksichtigung von AKNE
und LUNA –sagen wir mal- für eine vierköpfige in der Stadt lebende,
gut verdienende Familie mit Hund, zwei Kaninchen und vielleicht noch weiteren
Tieren, aber ohne Ausgleichsmöglichkeit, schon ein hübsches Sümmchen
für die Luftnutzungsabgabe zusammen. Herr Eichel bräuchte beim Einzug
dieser Gelder noch nicht einmal rot zu werden, denn diese familiäre Zusatzausgabe
(für einen guten Zweck, versteht sich) dürfte nur wenig über
der eingesparten Summe liegen, die durch die zukünftig abzusehenden
Steuer- und sonstigen -erleichterungen in die Haushalte gespült werden
soll. Als Konsumanreiz.
Also konsumiert mal schön ! Am besten die Luft !“
George weiß, dass er im Falle der Umsetzung einer solchen Regelung, das Geld selbst nicht berappen muss; er hat ja keines. Zukunftsfroh streckt er sich ganz lang auf dem Boden aus und seufzt erleichtert.
der, die, das Virus ? Übersicht
"Hör mal !", schnalzte George aus seiner Schlaf- und Lese-Ecke, "in der heutigen Zeitung steht dick und breit als Überschrift: "Und wieder grüßt der Grippevirus". Ist das nicht schlimm ?" Von seinem Interesse an Krankheitserregern angesprochen, entgegnete ich: "Natürlich ist das schlimm; insbesondere wenn man den Erreger noch nicht so richtig eindämmen kann. Da sind Epidemien Tor und Tür ...". Weiter kam ich nicht. "Das ist natürlich auch wesentlich. Aber, das meine ich nicht", unterbrach mich George hastig: "Der, verstehst Du, der Grippevirus steht hier geschrieben. Dabei müßte doch jeder, also auch Journalisten, schon aus den ersten Schuljahren wissen, dass es eigentlich richtig "das Virus" heisst, mit oder ohne "Grippe"; so ist es uns zumindest früher beigebracht worden; so steht es auch im Lexikon. Oder ...", George senkte nachdenklich den Kopf, "oder ist "das Virus" jetzt der Reform der Rechtschreibreform zum Opfer gefallen, ist die Rechtschreibreform sozusagen infiziert, sind die Viren jetzt nicht mehr sächlich sondern männlich ?"
Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht sponn er seinen Gedanken weiter: "Oder hat die Frauenbewegung zugeschlagen ?" "Ach was, George, dann müßte es doch "die Virus" heissen, und das ist mir beileibe noch nicht untergekommen," warf ich erheitert ein. George ließ aber nicht locker: "Das ist wichtig, das ist revolutionär, sozusagen innovativ: da muß man weiterdenken, der Untergang des Sächlichen steht bevor (oder ist er schon vollzogen ?); jedes "Ding" wird mit einem Geschlecht versehen. Da sagt man dann nicht mehr "das Kind", sondern "der Kind"; und das liebste Spielzeug des Mannes ist dann nicht mehr "das Auto", sondern "der Auto". Sehr männlich !", grummelte George. "Im übrigen liegt das im Trend der allgemeinen Reduktion auf das Wesentliche. Das "das" ist wohl dem Sprachsparen anheim gefallen: einer Wort weniger in der Lexikon."
Gesundheitsreform, nächste Stufe... Übersicht
"Mir ist schon lange klar", sinniert George,"dass sich im Anspruch der Menschen etwas ändern muß, zu jedweder Zeit und auch noch zu kostenmäßig günstigen Bedingungen gesundheitlich rundherum versorgt zu werden. Schon die Personalkosten drängen die Krankenhäuser an die äußerste Ecke des finanziell noch Erträglichen. Und die Ärztinnen, Ärzte und Pfegekräfte geben ihr Bestes (meist Zeit und Geld) , um den Betrieb zum Wohle des Patienten aufrechtzuerhalten. Ein Zeitausgleich für die zahlreichen Überstunden des aktiven Personals ist kaum noch möglich. Da staut sich natürlich nicht nur auf der Kostenseite Ärger und Frust. Es ist durchaus denkbar, dass unter diesen Umständen der vormals gern gesehene Gast letztlich als Lästiger, Ungelehrsamer, Mitwirkungsscheuer Patient (kurz: L.U.M.P.) angesehen wird, der nicht nur die Gesundheit der Behandelnden, sondern auch die Kostenneutralität des Systems gefährdet." George schnappt nach Luft.
"Das muß aber nicht so sein", fährt er fort. "Ich habe mir überlegt, dass nur ein bißschen Eigeninitiative des Patienten dazu beitragen kann, sowohl dem Ungemach der Behandlung und der Behandelnden (insbesondere nachts oder am Wochenende) als auch dem Verfall des eigenen Rufes entgegenzuwirken:
Ich setze voraus, dass die meisten der Patienten im Krankenhaus lesen können. In den Zimmern ist zudem häufig ein Monitor vorhanden (dessen Funktion sich nicht in der Übertragung von Signalen der Fernsehsender erschöpfen sollte). Durch eine geschickte Krankenhausverwaltung müßte es gelingen, Patienten mit weniger schwerwiegenden Leiden, z.B. Notaufnahmepatienten mit einem Steckschuß, dazu zu bewegen, durch eine aktive Mitarbeit ihre Behandlung und Heilung zu beschleunigen. Jeder nach kurzer Konsultation durch das Pflegepersonal entsprechend eingestufte Patient erhält bereits an der Pforte (nach Abgabe des Krankenscheins oder besser: gegen Vorkasse) ein auf seine speziellen Bedürfnisse eingestelltes Patienten-Initiativ-Versorgungs (kurz: P.I.V.)-Paket. Dieses Paket enthält die Laienausführung eines OP-Bestecks (spezialisiert nach der vorliegenden Beschwerde) , Sterilisierungsflüssigkeit, lokales Betäubungsmittel, ein Handy etc. Ganz wichtig ist, dass in diesem Paket auch eine Videokassette mit einer Behandlungsanweisung zu finden ist.
Im Krankenzimmer angekommen, kann sich der Patient dann über den Monitor die auf dem Videoband in praxisnaher Form (Bild und Ton) aufgezeichneten Programmiert Animierten Vorgaben (kurz: P.A.V.) für die Durchführung der anstehenden z.B. kleineren Operation (hier vielleicht: Entfernen des Steckschusses aus dem Oberschenkel) anschauen. Für Verständnisfragen könnte der Bereitschaftsarzt des Krankenhauses an einem zentralen Telefon zur Verfügung stehen (Handy ist ja vorhanden). Der Patient kann sich dann die P.A.V. so lange und häufig (schon mal unter Gewöhnung an das OP-Besteck im P.I.V.-Paket ) vorspielen, bis er sich sicher fühlt in der Umsetzung der Gebrauchsanweisung. Der große Vorteil liegt hier in der motivierenden Selbstbestimmung des Patienten über den Zeitpunkt, wann er denn nun mit der Operation beginnen möge. Zugleich wird in ihm ein gesundheitsfördernder Leistungswille aufgebaut. Schließlich dürfte das Glücksgefühl über das Erfolgserlebnis (bei gelungener Operation) die Dauer des Genesungsprozesses zusätzlich verkürzen. Das zum Leiden des Patienten beitragende Gefühl des Ausgesetztseins gehört mit Hilfe dieser Patienten unterstützten Vervollständigung (kurz: P.U.V.) der Behandlung endgültig der Vergangenheit an. Selbstverständlich steht nach Abschluß des kleinen Eingriffs der behandelnde Arzt telefonisch (über das Handy im P.I.V.-Paket) zur Verfügung. "
Voll Freude über seine gesundheitspolitisch prägnanten Lösungsvorschläge, fügt George hinzu: "Nicht nur der Patient hat durch dieses abgestufte System von P.I.V. über P.A.V. zum P.U.V. erhebliche, auch zeitliche Vorteile. Auch das Krankenhaus kann seine Personalplanung nun in kritischen Zeiten des Personalreduktionszwangs effektiver gestalten und das Personal (Ärztinnen, Ärzte, Pflegekräfte) kann ausgeglichener, also mit weniger Frust, seine Funktionen im Gesundheitsdienst wahrnehmen. Der vormals vielleicht als L.U.M.P. nicht sonderlich gelittene Patient kann durch diese Motivationsoffensive sich zudem in einen Liebenswerten In Eigeninitiative Beschwerdearm und Leidensfrei Imponierenden Nützlichen Gast (für alle kurz: L.I.E.B.L.I.N.G.) des deutschen Gesundheitssystems wandeln."
Aromatisches Rentenniveau Übersicht
"Sag mal," George zieht seine buschigen Augenbrauen von der Zeitung hoch, "ich lese hier, dass die Ökosteuer dazu dienen soll, das Rentenniveau zu erhalten. Ist die Ökosteuer denn nicht zweckgebunden ? D.h. wird dieses Geld nicht dazu verwendet, z.B. ökologisch orientierte Energieerzeugung (Solarstrom usw.) zu unterstützen ? Das würde zumindest Sinn machen." "Nein", entgegne ich, "das Einsatzgebiet ist nicht so festgelegt. Wäre es festgelegt, dann hieße das ja auch noch nicht viel. Beispielsweise ist der Staat verpflichtet, das Geld, das den Beamten während ihrer Dienstzeit im Vergleich zu anderen z.B. Angestellten zu wenig ausgezahlt wird, so anzulegen, dass es für die späteren Pensionszahlungen reicht. Macht er´s `?" "Er machts nicht !" gibt George laut.´"Also, warum sollte der Staat dann die wertvolle Ökosteuer in ökologische Entwicklungen stecken ?" Das sieht George ein. Unzufrieden lehnt er sich zurück.
Nach kurzer Zeit des Insichgehens hellen sich George´s Gesichtszüge wieder auf: "Wenn also die Ökosteuer die Rente stützt, dann dürften doch alle, die jetzt oder später Rente beziehen wollen, nichts unversucht lassen, um z.B. mehr Benzin zu verbrauchen. Jeder (auch der Rentner) ist für seinen eigenes Wohl aufgerufen, sich einen großen benzin-fressenden Wagen anzulegen, und möglichst häufig und intensiv damit in der Gegend herumzufahren. Wenn alle dies tun, werden die Straßen so verstopft sein, dass nur ganz langsam oder gar nicht gefahren werden kann. Aber das macht nichts, solange der Motor anbleibt. Gelegentliches mehrmaliges Aufheulenlassen vor der Ampel (mit angezogener Handbremse, versteht sich) schadet da überhaupt nicht. Und wenn das Benzin im Tank zur Neige geht, trifft man sich zu einem fröhlichen Gedankenaustausch an der Tankstelle; immer nach dem Motto: Wir tanken für unsere Rente."
"Ich bin da sehr für Recycling, das hat so etwas Fortschrittliches", setzt George seinen Gedankengang fort, "wie wäre es, wenn wir den Politikern in Berlin mal vorschlagen würden, die Rente demnächst nicht in D-Mark oder Euro sondern in Benzingutscheinen auszuzahlen ?"
Zahnloses Wohlbefinden Übersicht
"Weißt Du, dass Babynahrung schnell zuzubereiten, schmackhaft, bekömmlich und in jedem Supermarkt zu haben ist ?" "Aber sicher", unterstütze ich George´s Bemerkung, " die Nahrung ist gut auf die Befürfnisse von Babies abgestellt, und das schätzen die Mütter !" "Quatsch, Bedürfnisse von Babies", George knurrt vor sich hin. "In der Zeitung steht heute, dass Jugendliche und Erwachsene inzwischen ihre Liebe zum Babybrei entdeckt haben; also werden doch auch deren Geschmacks-Bedürfnisse befriedigt."
" Und, was hast Du dagegen ? " frage ich etwas ratlos. ""Unser Milchbrei wird schon lange von der ganzen Familie gegessen", wird in der Zeitung ein Milupa-Sprecher zitiert." fährt George unbeirrt fort. "Jugendliche, die noch zu jung sind Väter oder Mütter zu sein, lieben das Zeugs. Gestandene Büromenschen naschen Breie aller Art genußvoll in der Mittagspause. Du, das ist trendy, sozusagen im Zug der Zeit. Ich glaube die Menschen essen heute viel bewußter: Sie wissen inzwischen, dass Babykost wesentlich geringere Schadstoffkonzentrationen enthalten darf als herkömmliche Lebensmittel. Dadurch halten sie ihre Belastung in Grenzen. Dazu kommt noch: Kein Streß mehr mit der Essenszubereitung; Deckel auf, kurz warm machen und schwupp ist der Inhalt einer Mahlzeit durch den Schlund gewandert. Diese Zeitersparnis ! Auch der Energieverbrauch kann dadurch merklich sinken; Statt 3 Kochplatten für Fleisch, Gemüse und Kartoffeln vielleicht sogar über Stunden hinweg mit Energie zu versorgen, reicht ein kurzer Aufenthalt des Menue-Gläschens in der Mikrowelle; fertig !
Es gibt aber noch mehr positive Seiten: Keine Muskelfasern mehr zwischen den Zähnen; kein nerven- (und zahnfleisch)aufreibendes Herumpuhlen; kein Aushebeln der falschen Zähne oder Kronen durch hartnäckig feste Bestandteile der Nahrung. Alles fein pürriert." George kommt ins Schwärmen: "Du mußt auch die weiteren Folgen bedenken: keine Zahnstocher mehr auf dem Einkaufszettel. Internisten müssen nicht mehr (meist im Notfalldienst) zu Rate gezogen werden, weil sich unzerkaute Speisereste im Hals festgesetzt haben. Zahnärzte müssen nicht mehr eilig aufgesucht werden, weil die Krone von einem störrischen Happen gelockert wurde. Wenn das nicht positiv ist ! Säure- und milcheiweißfreie Nahrung ! Kein Säureangriff mehr auf die Zähne. Keine Grundlage für Mundgeruchbakterien. Zahnarztbesuche, ja Zähne an sich werden entbehrlich, und damit auch die zahlreichen Zahnpflegemittel und Rachenspüler.
Die verstärkte Hinwendung von Jgendlichen und Erwachsenen zu diesem Trendsnack kann letztlich auch als ein (wenn auch spezieller) Beitrag zur Gesundheitsreform gesehen werden. Wenn weniger Zahngestörte zum Zahnarzt kommen, werden die Budgets nicht mehr frühzeitig zum Jahresende aufgebraucht. Der Zahnarzt kann sich so viel länger den noch verbliebenen Patienten widmen und z.B. dem mit Maulsperre (widerrede)unfähig und wehrlos im Behandlungsstuhl verweilenden Patienten in Pausen der Behandlung seine gesamte Lebensgeschichte, einschließlich derjenigen der Angehörigen erzählen. Und das, ohne zusätzliche Kosten !
Einzig ein dem perlweißen Lächeln amerikanischer Stars, Sternchen und Politiker ähnelnder Glanz dürfte in Zukunft mangels Zahnmasse im Munde der "Weichkauer" nicht mehr zu finden sein. Aber was soll´s, wenn´s dem allgemeinen Wohlbefinden im Trendy-Paket dient ?"
"Wir wissen doch nur zu gut", sagt George, "dass Standards und Normen zählebig sind und nur langsam (wenn überhaupt) den aktuellen Erfordernissen angepasst werden. Ich denke da an das Standard-Klo; oder genauer gesagt: die Standard-Klohöhe. Ich habe damit -weiß Gott- keine Schwierigkeiten. Ihr Menschen aber, und besonders die männlichen Zeitgenossen unter ihnen, habt da besondere Probleme.
So ist doch durchaus bekannt, dass die Menschen von Generation zu Generation länger werden. Nach neuesten Studien erreichen männliche Jugendliche im Alter von 18 bis 19 Jahre nun im Mittel eine Höhe von 178, 1cm., männliche Erwachsene bis 29 Jahren eine Höhe von 179,7 cm. Ältere Erwachsene nehmen dann wieder an Körpergröße ab. In der Altersgruppe zwischen 70 und 79 Jahren reicht die Körpergröße nur noch im Mittel bis 170,2 cm.
Für das Pinkeln auf dem Klo (im Stehen) verändert sich mit dem Lebensalter also die Entfernung zur Kloschüssel: sie nimmt bis zum 30.sten Lebensjahr zu und nimmt danach bis in die späteren Lebensjahre immerhin um bis zu 10 Zentimeter wieder ab. Ungeachtet sämtlicher (individueller) Entwicklungen bleibt aber die Kloschüssel (und deren Höhe) (je nach Aussehen und Haltbarkeit des Schüsselmaterials) über Jahre und Jahrzehnte unverändert..
Beileibe nicht jede (Miet)Wohnung hat für diese Personen Extra-Pissoirs, in verschiedenen Höhen, für Groß und Klein, sozusagen. Die überwiegende Mehrheit dürfte ihre "kleinen" Geschäfte noch auf dem Steh- oder Wandklo verrichten. Und da gibt es Probleme:
In mehr oder weniger festgelegten Zeitintervallen muss sich die geschundene Ehe- und/oder Putzfrau (oder Herrchen selbst ?) über die gar nicht appetitlichen Hinterlassenschaften auf dem Nadelfilz, dem Parkett, den Fliesen oder einfach dem Boden rund ums Klo zu schaffen machen.
Ich sage Dir: Das muß nicht sein !!
Nach meinem Dafürhalten können 4 Wege uns aus diesem naserümpfenden Dilemma führen:
Letzteres erfordert allerdings eine Menge Disziplin. Da geht dann z.B. auch mal übermäßiger Alkohol- oder Kaffeegenuß an die Treffsicherheit.
Toiletten mit einer hydaulisch sich der Personengröße anpassenden Klohöhe sind wohl noch auf absehbare Zeit nicht im Handel verfügbar. Es könnte allerdings sein, dass zur Hebung des Komforts (und zur Behebung der Unannehmlichkeiten) sich die Sanitärwirtschaft für eine Zwischenlösung entscheidet: ein Angebot verschieden hoher Klos, womöglich bevor die mittlere Körperhöhe des Menschen die 2,5 Meter-Grenze übersteigt (schließlich ist nicht jeder Olympiateilnehmer ). Dies bleibt aber erst einmal abzuwarten."